oben Dschen, das Erregende, Donner · unten Dschen, das Erregende, Donner
Der Schreck, der einen durchfährt wie ein Donner, ist das Thema dieses Zeichens, und das Urteil sagt, dass daraus etwas gelingt. Im Schreck liegt etwas Gutes, weil nach der Furcht Fröhlichkeit folgen kann: Auf das „Hu, hu!“ folgt das Lachen. Wer innerlich gelernt hat, was Furcht ist, ist gegen äußere Schrecken gesichert. Das Bild rät, unter dem Schreck das eigene Leben in Ordnung zu bringen und sich selbst zu erforschen. Frag Dich in Ruhe, ob der Schreck etwas getroffen hat, das Du ohnehin ändern wolltest. Lass den Opferkelch nicht fallen: Bleib gefasst bei dem, was Du gerade tust.
Was hat der Schreck in Dir berührt, das Du ohnehin ändern wolltest?
Das Zeichen Dschen ist der älteste Sohn, der die Herrschaft energisch und machtvoll ergreift. Ein Yangstrich entsteht unter zwei Yinstrichen und dringt machtvoll empor. Diese Bewegung ist so heftig, daß sie Schrecken erregt. Als Bild dient der Donner, der aus der Erde hervorbricht und durch seine Erschütterung Furcht und Zittern verursacht.
In Wilhelms Sprüchen kehren alte Wörter wieder:
Das Erschüttern bringt Gelingen.Das Erschüttern kommt: Hu, Hu!Lachende Worte: Ha, Ha!Das Erschüttern erschreckt hundert Meilen,und er läßt nicht Opferlöffel und Kelch fallen.
Die Erschütterung, die durch das Hervortreten Gottes im Innern der Erde aufsteigt, macht, daß der Mensch sich fürchtet, aber diese Furcht vor Gott ist etwas Gutes; denn sie bewirkt, daß Fröhlichkeit und Freude folgen kann. Wenn man innerlich gelernt hat, was Furcht und Zittern ist, so ist man gegen den Schrecken durch äußere Einflüsse gesichert. Wenn auch der Donner tost, also, daß er hundert Meilen im Umkreis erschreckt, so bleibt man innerlich so gefaßt und ehrerbietig, daß man die Opferhandlung nicht unterbricht. Ein solcher tiefer, innerer Ernst, der alle äußeren Schrecken machtlos abprallen läßt, ist die Geistesverfassung, wie sie die Führer der Menschen und die Herrscher haben müssen.
Fortgesetzter Donner: das Bild des Erschütterns.So macht der Edle unter Furcht und Zittern sein Leben rechtund erforscht sich selbst.
Der fortgesetzte Donner bringt durch seine Erschütterung Furcht und Zittern mit sich. So steht der Edle stets in Ehrfurcht vor dem Hervortreten Gottes und bringt sein Leben in Ordnung und erforscht sein Herz, ob nichts im geheimen dem Willen Gottes widerspricht. So ist die Ehrfurcht die Grundlage der wahrhaftigen Lebensbildung.
Die Zeichen ○ und □ hinter einer Linie hat Wilhelm gesetzt (S. 334 f.). Sie markieren die Herren des Zeichens. □ steht beim konstituierenden Herrn. Das ist der Strich, der dem Zeichen seinen Sinn gibt, gleich wie hoch er steht und wie gut sein Charakter ist. ○ steht beim beherrschenden Herrn. Er ist immer von gutem Charakter und wird es durch den Sinn der Zeit und seine Stellung, meist auf dem fünften Platz. Ist ein Strich beides, steht ○.
Das Erschüttern kommt: Hu, Hu!Darauf folgen lachende Worte: Ha, Ha!Heil!
Der Schreck trifft einen zuerst, und für einen Moment steht man schlechter da als die anderen. Das ist nur vorläufig. Geh durch die Furcht hindurch; danach kommt die Erleichterung, und gerade dieser Schreck geht gut aus.
Furcht und Zittern der Erschütterung kommt zuerst an einen, so daß man den andern gegenüber sich in Nachteil gestellt sieht. Aber das ist nur vorläufig. Wenn man durch das Gericht hindurch ist, so kommt die Erleichterung. Und so bringt gerade der Schrecken, in den man zunächst hinein muß, im ganzen betrachtet, Heil.
Das Erschüttern kommt mit Gefahr.Hunderttausendfach verlierst du deine Schätzeund mußt auf die neun Hügel steigen.Jage ihnen nicht nach.Nach sieben Tagen bekommst du sie wieder.
Eine Erschütterung bringt Gefahr und große Verluste, und Widerstand läuft gegen die Richtung der Zeit. Zieh Dich an einen sicheren Ort zurück, wo die Gefahr Dich nicht erreicht, und nimm die Verluste hin. Jag dem Verlorenen nicht nach. Wenn die unruhige Zeit vorüber ist, kommt es von selbst zurück.
Es ist eine Lage gezeichnet, da man durch eine Erschütterung in Gefahr gerät und große Verluste erleidet. Die Verhältnisse sind so, daß Widerstand der Richtung der Zeitbewegung entgegen ist und daher keinen Erfolg hat. Darum soll man sich einfach zurückziehen in Höhengebiete, die unzugänglich sind für die drohenden Gefahren. Die Verluste an Besitz muß man mit in Kauf nehmen und soll sich nicht übermäßig darum kümmern. Ohne daß man dem Besitz nachjagt, wird man ihn von selber wiederbekommen, wenn die Zeit vorüber ist, deren Erschütterungen den Besitz geraubt haben.
Das Erschüttern kommt und macht fassungslos.Wenn man infolge des Erschütterns handelt,so bleibt man frei von Unglück.
Ein Schicksalsschlag macht fassungslos. In solchen Zeiten verliert man leicht die Besonnenheit, übersieht, was man noch tun kann, und lässt alles stumm geschehen. Lass Dich vom Schreck innerlich in Bewegung bringen und handle; so überwindest Du den äußeren Schlag ohne große Mühe.
Es gibt dreierlei Erschütterungen: die Erschütterung des Himmels, das ist der Donner, ferner die Erschütterung des Schicksals und endlich die Erschütterung des Herzens.
Hier handelt es sich weniger um innere Erschütterung als um die Erschütterung des Schicksals. In solchen Erschütterungszeiten verliert man zu leicht die Besonnenheit, so daß man alle Möglichkeiten des Handelns verkennt und stumm dem Schicksal den Lauf läßt. Wenn man sich durch die Erschütterung des Schicksals zu innerer Bewegung bringen läßt, so wird man die äußeren Schicksalsschläge ohne große Mühe überwinden.
Das Erschüttern gerät in Schlamm.
Eine Bewegung bleibt im Zähen stecken: Nichts leistet echten Widerstand, und nichts gibt nach. Die Umstände sind träge wie Schlamm, und jeder Anstoß wird gelähmt. Rechne damit, dass Dein Erfolg hier zum Teil von den Umständen abhängt, und erwarte vom Drängen allein keinen Durchbruch.
Die innere Bewegung hängt in ihrem Erfolg zum Teil auch von den Umständen ab. Wenn die Umstände so sind, daß weder Widerstand vorhanden ist, der sich energisch bekämpfen ließe, noch die Dinge nachgeben, so daß ein Sieg errungen werden kann, sondern alles zäh und träge ist wie Schlamm, so wird die Bewegung gelähmt.
Das Erschüttern geht hin und her: Gefahr.Aber man verliert durchaus nichts,nur gibt es Geschäfte.
Die Erschütterung kommt wieder und wieder und lässt kaum Zeit zum Aufatmen. Trotzdem verliert man nichts, wenn man sich im Zentrum der Bewegung hält. Bleib in Deiner Mitte und bei dem, was zu tun ist; dann wirst Du nicht wehrlos hin und her geworfen.
Es ist hier nicht nur eine einmalige Erschütterung, sondern eine wiederholte, die gar keine Zeit zum Aufatmen läßt. Aber dennoch bringt die Erschütterung keinen Verlust, da man darauf bedacht ist, sich im Zentrum der Bewegung zu halten und dadurch von dem Schicksal befreit zu sein, wehrlos hin und her geworfen zu werden.
Das Erschüttern bringt Verfall und ängstliches Umherblicken.Vorangehen bringt Unheil.Wenn es noch nicht den eignen Leib erreicht,sondern erst den Nachbar erreicht hat,so ist kein Makel.Die Genossen haben zu reden.
Wenn die Aufregung aufs Höchste steigt, raubt sie Besinnung und klaren Blick, und wer jetzt vorangeht, für den geht es schlecht aus. Halte still, bis Ruhe und Klarheit zurück sind, und zieh Dich rechtzeitig zurück, solange die Unruhe erst die anderen erfasst hat; das ist kein Fehler. Die Aufgeregten werden mit Dir unzufrieden sein; darauf darfst Du keine Rücksicht nehmen.
Die innere Erschütterung raubt einem die Besinnung und Klarheit des Blickes, wenn sie aufs höchste gestiegen ist. In einer solchen Erschütterung ist es natürlich nicht möglich, besonnen zu handeln. Da ist es das richtige, sich stillzuhalten, bis die Ruhe und Klarheit sich wiedergefunden hat.
Dazu ist man aber nur imstande, solange man selbst noch nicht von der Aufregung angesteckt ist, während man an der Umgebung schon die unheilvollen Wirkungen einer solchen Erregung beobachten kann. Zieht man sich nun rechtzeitig von der Handlung zurück, so bleibt man frei von Fehlern und Schaden. Aber die Genossen in ihrer Erregung, die sich nicht mehr warnen lassen, werden sicher mit einem unzufrieden sein. Allein darauf darf man keine Rücksicht nehmen.
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Das I Ging befragenTexte von Richard Wilhelm: I Ging. Das Buch der Wandlungen (Erstausgabe Jena 1924), abgeschrieben aus der Ausgabe Diederichs, München 1996. Wilhelms Übersetzung ist gemeinfrei. Der Abschnitt „Was das Zeichen heute sagt“, die Frage an Dich und die kurzen Erklärungen unter den Linien sind unsere eigene Lesart. Das I Ging ersetzt keinen ärztlichen, rechtlichen oder psychologischen Rat.