oben Dui, das Heitere, See · unten Kun, das Empfangende, Erde
Das Zeichen handelt davon, Menschen um eine Sache oder eine Person zu sammeln, in der Familie oder in einer größeren Gemeinschaft. Eine Bedingung gehört dazu: Wer andere sammeln will, muss erst in sich selbst gesammelt sein. Kläre darum zuerst für Dich, worum es Dir geht, und sprich es dann aus. Dann gelingt die Sammlung, auch durch großen Einsatz für die gemeinsame Sache. Das Bild ist Wasser, das sich im See über der Erde sammelt und einen Durchbruch befürchten lässt; wo viele zusammenkommen, entsteht leicht Streit. Geh nicht unvorbereitet hinein, und triff Vorkehrungen für das Unerwartete.
Bist Du in Dir selbst gesammelt genug, um andere zu sammeln?
Das Zeichen ist dem Zeichen Bi, Zusammenhalten (Nr. 8), nach Form und Bedeutung verwandt. Dort das Wasser über der Erde, hier ein See über der Erde. Der See ist der Sammlungspunkt des Wassers, daher ist die Idee der Sammlung hier noch stärker ausgedrückt als in jenem Zeichen. Derselbe Grundgedanke ergibt sich auch daraus, daß es hier zwei starke Striche sind auf viertem und fünftem Platz, welche die Sammlung bewirken, während dort nur ein Strich an fünfter Stelle inmitten der Schwachen steht.
In Wilhelms Sprüchen kehren alte Wörter wieder:
Die Sammlung. Gelingen.Der König naht sich seinem Tempel.Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.Das bringt Gelingen. Fördernd ist Beharrlichkeit.Große Opfer zu bringen schafft Heil.Fördernd ist es, etwas zu unternehmen.
Die Sammlung der Menschen in größeren Gemeinschaften ist entweder eine natürliche, wie innerhalb der Familie, oder eine künstliche, wie im Staat. Die Familie sammelt sich um den Vater als ihr Oberhaupt. Die Fortsetzung dieser Sammlung vollzieht sich durch die Ahnenopfer, bei denen sich der ganze Klan versammelt. Die Ahnen werden durch die gesammelte Andacht der Hinterbliebenen in ihrem Geiste konzentriert, so daß sie sich nicht zerstreuen und auflösen.
Wo die Menschen gesammelt werden sollen, bedarf es der religiösen Kräfte. Aber es muß auch ein menschliches Haupt als Mittelpunkt der Sammlung da sein. Um andere sammeln zu können, muß dieser Mittelpunkt der Sammlung erst in sich selbst gesammelt sein. Nur durch gesammelte moralische Kraft läßt sich die Welt einigen. Solche großen Einigungszeiten werden dann auch große Werke hinterlassen. Das ist der Sinn der großen Opfer, die gebracht werden. Und auch auf weltlichem Gebiet bedarf es in Zeiten der Sammlung großer Werke.
Der See ist oberhalb der Erde:das Bild der Sammlung.So erneuert der Edle seine Waffen,um Unvorhergesehenem zu begegnen.
Wenn das Wasser im See sich sammelt, so daß es über die Erde emporsteigt, so droht ein Durchbruch. Dagegen muß man Vorkehrungen treffen. So entsteht auch leicht Streit, wo Menschen sich in großer Anzahl sammeln; wo Güter sich sammeln, entsteht leicht Raub. Darum muß man sich in Zeiten der Sammlung rechtzeitig rüsten, um Unerwartetes abzuwehren. Das Leid auf Erden kommt meist durch unerwartete Ereignisse, auf die man nicht gerüstet ist. Ist man gefaßt, so läßt es sich verhüten.
Die Zeichen ○ und □ hinter einer Linie hat Wilhelm gesetzt (S. 334 f.). Sie markieren die Herren des Zeichens. □ steht beim konstituierenden Herrn. Das ist der Strich, der dem Zeichen seinen Sinn gibt, gleich wie hoch er steht und wie gut sein Charakter ist. ○ steht beim beherrschenden Herrn. Er ist immer von gutem Charakter und wird es durch den Sinn der Zeit und seine Stellung, meist auf dem fünften Platz. Ist ein Strich beides, steht ○.
Wenn du wahrhaftig bist, doch nicht bis zum Ende,so gibt es bald Verwirrung, bald Sammlung.Wenn du rufst, so kannst du nach einem Griff wieder lachen.Bedaure nichts. Hingehen ist ohne Makel.
Wer sich einem Menschen anschließen will, zu dem er aufblickt, sich aber von vielen anderen beeinflussen lässt, gerät ins Schwanken. Sprich diese Not offen aus und bitte um Hilfe; oft genügt ein einziger Griff, und Du kannst wieder lachen. Lass Dich nicht beirren; der Anschluss ist richtig und kein Fehler.
Die Lage ist hier, daß man sich sammeln will um einen Führer, zu dem man aufblickt. Doch befindet man sich in zahlreicher Gesellschaft, durch die man sich beeinflussen läßt, so daß man in seinem Entschluß wankend wird. So hat man keinen festen Mittelpunkt für eine Sammlung. Wenn man aber dieser Not Ausdruck verleiht und um Hilfe ruft, so genügt ein Griff des Führers, um alle Not zu wenden. Darum darf man sich nicht irremachen lassen. Sich an jenen Führer anzuschließen, ist ohne weiteres das rechte.
Sich ziehen lassen bringt Heil und bleibt ohne Makel.Wenn man wahrhaftig ist,ist es auch fördernd, ein kleines Opfer zu bringen.
Gemeint sind verborgene Kräfte, die Menschen zusammenführen, die zueinander passen. Wähl Deinen Weg hier nicht eigenmächtig und überlass Dich dieser Anziehung. Wo eine innere Beziehung besteht, braucht es keine großen Vorbereitungen und Förmlichkeiten; auch eine kleine Geste genügt, wenn sie von Herzen kommt. Das geht gut aus.
Man soll in Zeiten der Sammlung seinen Weg nicht willkürlich wählen. Es sind geheime Kräfte am Werk, die die Menschen zusammenführen, die zueinander passen. Dieser Anziehung muß man sich überlassen, dann macht man keinen Fehler. Wo innere Beziehungen vorhanden sind, da sind keine großen Vorbereitungen und Förmlichkeiten nötig. Man versteht sich ohne weiteres, wie die Gottheit auch ein kleines Opfer gnädig annimmt, wenn es von Herzen kommt.
Sammlung unter Seufzen. Nichts, das fördernd wäre.Hingehen ist ohne Makel. Kleine Beschämung.
Manchmal sucht man Anschluss und stellt fest, dass die anderen sich längst zusammengeschlossen haben; so bleibt man außen vor, und das lässt sich nicht halten. Wende Dich entschlossen an jemanden, der dem Kreis näher steht und Dich einführen kann. Dass Du anfangs als Außenseiter etwas beschämt dastehst, ist kein Fehler.
Man hat oft das Bedürfnis des Anschlusses, aber alle andern in der Umgebung haben sich schon untereinander zusammengeschlossen, so daß man isoliert bleibt. Die ganze Lage ist so, daß sie sich als unhaltbar erweist. Da gilt es, sich dem Fortschritt zuzuwenden, entschlossen sich an einen Mann anzuschließen, der dem Mittelpunkt der Sammlung nähersteht und einen in den geschlossenen Kreis einzuführen vermag. Das ist kein Fehler, auch wenn man als Außenseiter zunächst eine etwas beschämende Stellung hat.
Großes Heil! Kein Makel.
Die Linie zeigt jemanden, der im Auftrag eines anderen Menschen um sich sammelt und dabei keinen Vorteil für sich selbst sucht. Arbeite uneigennützig am Zusammenhalt des Ganzen. Dann geht es sehr gut aus.
Es ist hier ein Mann gezeichnet, der im Namen seines Herrn die Menschen um sich sammelt. Da er keine Sondervorteile für sich erstrebt, sondern uneigennützig an der allgemeinen Einheit arbeitet, so ist seine Arbeit von Erfolg gekrönt, und alles wird recht.
Wenn man beim Sammeln die Stellung hat,so gibt das keinen Makel.Wenn manche noch nicht wahrhaft dabei sind,so bedarf es erhabener, dauernder Beharrlichkeit,dann schwindet die Reue.
Hier sammeln sich Menschen um jemanden, der dadurch Einfluss gewinnt, und manche kommen nur wegen dieser Stellung, ohne echtes Vertrauen. Die Stellung zu nutzen, ist dabei kein Fehler, doch ein schnelles Mittel gegen das Misstrauen gibt es nicht. Bleib unbeirrt pflichttreu und beständig; so überwindest Du das heimliche Misstrauen nach und nach, und was Du bereust, vergeht.
Wenn sich die Menschen von selbst um einen sammeln, so ist das, wenn es einem ungesucht zuteil wird, nur gut. Man bekommt dadurch einen gewissen Einfluß, der durchaus nützlich sein kann. Aber damit ist natürlich auch die Möglichkeit gegeben, daß sich manche um einen sammeln, die nicht aus innerem Vertrauen kommen, sondern nur um der einflußreichen Stellung willen. Das ist gewiß bedauerlich. Solchen Leuten gegenüber gibt es kein anderes Mittel, als ihr Vertrauen zu erwerben durch vermehrte, unentwegte Pflichttreue und Beständigkeit. Dadurch wird das geheime Mißtrauen allmählich überwunden, und der Anlaß zum Bedauern fällt weg.
Klagen und Seufzen, Tränen in Strömen.Kein Makel.
Es tut weh, wenn man sich jemandem anschließen möchte und in seinen guten Absichten verkannt wird. Die Trauer darüber darfst Du zeigen; das ist kein Fehler. Das ist sogar der rechte Weg, weil der andere dadurch zur Besinnung kommen kann und Du den ersehnten Anschluss doch noch findest.
Es kann vorkommen, daß man sich wohl anschließen möchte, aber in seinen guten Absichten verkannt wird. Da ist man traurig und klagt. Aber das ist der rechte Weg. Denn dadurch kann es kommen, daß der andere zur Besinnung kommt und man den gesuchten und schmerzlich vermißten Anschluß doch noch findet.
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Das I Ging befragenTexte von Richard Wilhelm: I Ging. Das Buch der Wandlungen (Erstausgabe Jena 1924), abgeschrieben aus der Ausgabe Diederichs, München 1996. Wilhelms Übersetzung ist gemeinfrei. Der Abschnitt „Was das Zeichen heute sagt“, die Frage an Dich und die kurzen Erklärungen unter den Linien sind unsere eigene Lesart. Das I Ging ersetzt keinen ärztlichen, rechtlichen oder psychologischen Rat.