oben Dui, das Heitere, See · unten Gen, das Stillehalten, Berg
Anziehung ist das Thema, Werben und Gewonnenwerden. Alles Gelingen beruht auf gegenseitiger Anziehung, und eine Verbindung einzugehen, geht gut aus. Das Bild ist ein See auf dem Berg: Weil der Gipfel vertieft ist und nicht hervorragt, kommt die Feuchtigkeit zu ihm. Halte Dich innerlich offen und still, hör zu, bevor Du antwortest, und nimm Rücksicht auf den anderen. Meide die Besserwisserei. „Wer alles besser wissen will, dem raten die Menschen bald nicht mehr.“
Wo könntest Du offener werden, damit andere Dir näherkommen oder Dir raten?
Der Name des Zeichens bedeutet »allgemein«, »durchgängig« und in übertragenem Sinn »beeinflussen«, »anregen«. Das obere Zeichen ist Dui, das Heitere, das untere Gen, das Stillehalten. Das untere starre Zeichen regt durch beharrliche, stillehaltende Wirkung das obere schwache Zeichen an, das heiter und in Freudigkeit dieser Anregung entspricht. Gen, das untere Zeichen, ist der jüngste Sohn, das obere, Dui, die jüngste Tochter. So ist die allgemeine gegenseitige Anziehung der Geschlechter dargestellt. Dabei muß das Männliche die Initiative ergreifen und sich unter das Weibliche herunterbegeben bei der Werbung.
Wie die erste Abteilung des Buches mit den Zeichen für Himmel und Erde beginnt, als den Grundlagen alles Bestehenden, so die zweite Abteilung mit den Zeichen für Werbung und Ehe, als den Grundlagen aller sozialen Beziehungen.
In Wilhelms Sprüchen kehren alte Wörter wieder:
Die Einwirkung. Gelingen.Fördernd ist Beharrlichkeit.Ein Mädchen nehmen bringt Heil.
Das Schwache ist oben, das Starke unten, dadurch ziehen sich ihre Kräfte an, so daß sie sich vereinigen. Das schafft das Gelingen. Denn alles Gelingen beruht auf der Wirkung gegenseitiger Anziehung. Innerliches Stillhalten bei äußerer Freude bewirkt, daß die Freude nicht das Maß überschreitet, sondern in den Grenzen des Rechten bleibt. Das ist der Sinn der beigefügten Mahnung: Fördernd ist Beharrlichkeit; denn dadurch unterscheidet sich die Werbung, bei der der starke Mann sich unter das schwache Mädchen herunterbegibt und Rücksicht auf sie nimmt, von der Verführung. Diese Anziehung des Wahlverwandten ist ein allgemeines Naturgesetz. Der Himmel und die Erde ziehen sich gegenseitig an, und so entstehen alle Wesen. Der Weise wirkt durch solche Anziehung auf die Herzen der Menschen, so kommt die Welt in Frieden. Aus den Anziehungen, die etwas ausübt, kann man die Natur aller Wesen im Himmel und auf Erden erkennen.
Auf dem Berge ist ein See: das Bild der Einwirkung.So läßt der Edle durch Aufnahmebereitschaft die Menschen an sich herankommen.
Ein Berg, auf dem oben ein See ist, erlangt Anregung durch dessen Feuchtigkeit. Dieser Vorteil wird ihm zuteil, weil sein Gipfel nicht hervorragt, sondern vertieft ist. Das Bild ergibt den Rat, daß man sich innerlich niedrig und frei zu halten hat, so daß man für gute Ratschläge empfänglich bleibt. Wer alles besser wissen will, dem raten die Menschen bald nicht mehr.
Die Zeichen ○ und □ hinter einer Linie hat Wilhelm gesetzt (S. 334 f.). Sie markieren die Herren des Zeichens. □ steht beim konstituierenden Herrn. Das ist der Strich, der dem Zeichen seinen Sinn gibt, gleich wie hoch er steht und wie gut sein Charakter ist. ○ steht beim beherrschenden Herrn. Er ist immer von gutem Charakter und wird es durch den Sinn der Zeit und seine Stellung, meist auf dem fünften Platz. Ist ein Strich beides, steht ○.
Die Einwirkung äußert sich in der großen Zehe.
Eine Bewegung regt sich zuerst in den Zehen: Die Absicht ist schon da, nach außen aber noch nicht sichtbar. Solange sie nichts bewirkt, ist sie für andere weder gut noch schlecht. Du musst daraus noch nichts machen; entscheidend wird erst, was sichtbar daraus folgt.
Eine Bewegung, ehe sie wirklich ausgeführt wird, äußert sich zunächst in den Zehen. Der Gedanke der Einwirkung ist schon da. Aber er tritt zunächst für andere noch nicht in die Erscheinung. Solange die Absicht noch keine sichtbaren Wirkungen hat, ist sie für die Außenwelt gleichgültig, führt weder zum Guten noch zum Bösen.
Die Einwirkung äußert sich in den Waden.Unheil!Verweilen bringt Heil.
Die Wade folgt dem Fuß und kann weder von sich aus gehen noch allein stehen bleiben. Gemeint ist eine unselbständige Bewegung, die nicht Herr ihrer selbst ist, und das geht schlecht aus. Warte ruhig, bis ein wirklicher Anstoß Dich zum Handeln bringt; dann geht es gut aus.
Die Wade folgt dem Fuß in der Bewegung. Sie kann nicht von selbst vorwärts und nicht allein stehenbleiben. Es ist eine Bewegung, die unselbständig und darum, weil sie nicht Herr ihrer selbst ist, unheilvoll ist. Man soll ruhig warten, bis man durch wirkliche Einwirkung zum Handeln veranlaßt wird. Dann bleibt man frei von Schaden.
Die Einwirkung äußert sich in den Schenkeln.Hält sich an das, was ihm folgt.Weitermachen ist beschämend.
Wohin das Herz strebt, dahin laufen die Beine, ohne sich zu besinnen. Wer jeder Laune sofort folgt, beschämt sich auf Dauer. Lauf nicht jedem nach, den Du gewinnen willst, erfüll nicht jeden Wunsch derer, für die Du arbeitest, und behalte Dir auch gegenüber den eigenen Stimmungen die Freiheit, innezuhalten.
Jede Stimmung des Herzens regt zu einer Bewegung an. Wonach das Herz strebt, dahin laufen die Schenkel, ohne sich zu besinnen; sie halten sich an das Herz, dem sie folgen. Aber aufs menschliche Leben übertragen ist diese Art, auf jede Einwirkung einer Laune hin sofort sich in Bewegung zu setzen, nicht das Richtige und führt, dauernd fortgesetzt, zu Beschämung. Ein dreifacher Gedanke ergibt sich: Man darf nicht ohne weiteres allen Leuten nachlaufen, auf die man einwirken möchte, sondern muß sich unter Umständen zurückhalten können. Ebensowenig darf man sofort allen Launen derer nachkommen, in deren Dienst man steht. Und schließlich soll man den Stimmungen des eigenen Herzens gegenüber nie die Hemmungsmöglichkeit vernachlässigen, auf der die menschliche Freiheit beruht.
Beharrlichkeit bringt Heil. Die Reue schwindet.Wenn man aufgeregt hin und her denkt,so folgen nur die Freunde,auf die man bewußte Gedanken richtet.
Hier ist das Herz selbst berührt, und von ihm geht die wichtigste Wirkung aus. Sorge dafür, dass Dein Einfluss beständig und gut ist, und lass Dein Wesen ruhig wirken; dann geht es gut aus, und was Du bereust, vergeht. Wer andere bewusst bearbeiten will, reibt sich im Hin und Her auf und erreicht nur die wenigen, auf die er seine Gedanken richtet.
Hier ist der Platz des Herzens erreicht. Die Anregung, die von hier ausgeht, ist am wichtigsten. Besonders ist darauf zu achten, daß der Einfluß beständig und gut sei, dann ist trotz der Gefahr, die sich aus der großen Beweglichkeit des menschlichen Herzens ergibt, keine Reue mehr nötig. Wenn die eigene ruhige Kraft des persönlichen Wesens wirkt, dann sind die Wirkungen normal. Alle Menschen, die für die Schwingungen eines solchen Geistes empfänglich sind, werden dann beeinflußt. Der Einfluß auf andere soll sich nicht als bewußte und gewollte Bearbeitung der andern äußern. Denn durch solche bewußte Agitation kommt man in Aufregung und wird aufgerieben von dem ewigen Hin und Her. Außerdem beschränken sich dann die Wirkungen auf die Menschen, auf die man bewußt seine Gedanken richtet.
Die Einwirkung äußert sich im Nacken.Keine Reue.
Der Nacken ist der unbeweglichste Teil des Körpers; eine Einwirkung dort bringt den festen Willen nicht durcheinander. Darum gibt es nichts zu bereuen. Bleib bei Deiner Festigkeit, sieh aber auch den Preis: Wer selbst unbeeinflussbar bleibt, kann auch auf andere kaum einwirken.
Der Nacken ist der unbeweglichste Teil des Körpers. Wenn die Einwirkung hier sich äußert, so bleibt der Wille doch fest, und die Einwirkung führt nicht zur Verwirrung. Darum kommt hier Reue gar nicht in Betracht. Was in diesen Tiefen des Wesens, dem Unterbewußten, vor sich geht, das kann vom Bewußtsein aus weder hervorgerufen noch gehindert werden. Allerdings ist bei eigener Unbeeinflußbarkeit ein Einfluß auf die Außenwelt auch nicht möglich.
Die Einwirkung äußert sich in Kinnladen, Wangen und Zunge.
Das ist die äußerlichste Art, Einfluss zu suchen: bloßes Reden, dem nichts Wirkliches entspricht. Solche Worte bleiben zwangsläufig ohne Gewicht, deshalb sagt die Linie weder Glück noch Unglück voraus. Wenn Du etwas bewirken willst, sorge dafür, dass hinter Deinen Worten auch etwas steht.
Die äußerlichste Art, auf andre Einfluß bekommen zu wollen, ist durch bloßes Geschwätz, ohne daß den Worten etwas Wirkliches entspricht. Solche Anregung durch bloße Bewegung der Sprechwerkzeuge bleibt notwendig unbedeutend. Darum ist von Glück oder Unglück nichts hinzugefügt.
Möchtest Du das I Ging zu Deiner eigenen Frage befragen? Sechs Würfe mit drei Münzen, die Antwort steht sofort da.
Das I Ging befragenTexte von Richard Wilhelm: I Ging. Das Buch der Wandlungen (Erstausgabe Jena 1924), abgeschrieben aus der Ausgabe Diederichs, München 1996. Wilhelms Übersetzung ist gemeinfrei. Der Abschnitt „Was das Zeichen heute sagt“, die Frage an Dich und die kurzen Erklärungen unter den Linien sind unsere eigene Lesart. Das I Ging ersetzt keinen ärztlichen, rechtlichen oder psychologischen Rat.