oben Gen, das Stillehalten, Berg · unten Kun, das Empfangende, Erde
In dieser Zeit fällt auseinander, was nicht mehr trägt. Das Urteil sagt: Es ist nicht günstig, irgendwohin zu gehen. Es ist klug, sich in die Zeit zu fügen und stillzuhalten, denn gegen solche Zeitverhältnisse lässt sich nicht anarbeiten; das ist Weisheit und keineswegs Feigheit. Pflege jetzt die Menschen und Grundlagen, auf denen Du stehst, und sei großzügig zu denen, die Dich tragen, wie ein Berg, der breit auf der Erde ruht. Neues zu unternehmen oder Dich gegen den Lauf der Dinge zu stemmen, wäre jetzt verkehrt.
Worauf stehst Du fest, wenn um Dich herum anderes zerfällt?
Die dunklen Linien sind im Begriff, nach oben zu steigen und auch den letzten festen und lichten Strich zu Fall zu bringen, indem sie ihn durch ihren Einfluß zersetzen. Das Gemeine, Dunkle bekämpft das Edle, Starke nicht direkt, sondern höhlt es durch unmerkliche Wirkung allmählich aus, so daß es schließlich zusammenbricht.
Das Zeichen stellt das Bild eines Hauses dar. Der oberste Strich ist das Dach. Indem nun das Dach zerbrochen wird, zerfällt das Haus.
Das Zeichen ist dem neunten Monat (Oktober–November) zugeordnet. Die Yinkraft dringt immer mächtiger heran und ist im Begriff, die Yangkraft völlig zu verdrängen.
In Wilhelms Sprüchen kehren alte Wörter wieder:
Die Zersplitterung. Nicht fördernd ist es, wohin zu gehen.
Es ist eine Zeit, da die Gemeinen im Vordringen sind und eben im Begriff stehen, die letzten Starken und Edlen zu verdrängen. Darum, weil das im Lauf der Zeit begründet ist, ist es für den Edlen unter solchen Umständen nicht förderlich, etwas zu unternehmen. Aus den Bildern und ihren Eigenschaften ist das rechte Verhalten in solchen widrigen Zeiten zu entnehmen. Das untere Zeichen bedeutet die Erde, deren Eigenschaft die Fügsamkeit und Hingebung ist, das obere Zeichen bedeutet den Berg, dessen Eigenschaft die Stille ist. Das legt den Rat nahe, sich in die böse Zeit zu fügen und stille zu sein. Es handelt sich hier nicht um menschliches Machen, sondern um Zeitverhältnisse, die nach himmlischen Gesetzen auch einen Wechsel von Zunahme und Abnahme, Fülle und Leere zeigen. Diesen Zeitverhältnissen läßt sich nicht entgegenwirken. Daher ist es nicht Feigheit, sondern Weisheit, wenn man sich fügt und vermeidet zu handeln.
Der Berg ruht auf der Erde: das Bild der Zersplitterung.So können die Oberen nur durch reiches Spenden an die Unteren ihre Stellung sichern.
Der Berg ruht auf der Erde. Wenn er steil und schmal ist und keine breite Grundlage hat, so muß er einstürzen. Nur dadurch, daß er breit und groß sich aus der Erde erhebt, nicht stolz und steil, ist seine Stellung gesichert. So ruhen auch die Herrschenden auf der breiten Grundlage des Volks. Auch für sie gilt es, freigebig und großzügig zu sein, wie die Erde, die alles trägt; dann werden sie ihre Stellung in Sicherheit bringen wie die Ruhe eines Berges.
Die Zeichen ○ und □ hinter einer Linie hat Wilhelm gesetzt (S. 334 f.). Sie markieren die Herren des Zeichens. □ steht beim konstituierenden Herrn. Das ist der Strich, der dem Zeichen seinen Sinn gibt, gleich wie hoch er steht und wie gut sein Charakter ist. ○ steht beim beherrschenden Herrn. Er ist immer von gutem Charakter und wird es durch den Sinn der Zeit und seine Stellung, meist auf dem fünften Platz. Ist ein Strich beides, steht ○.
Das Bett wird zersplittert am Bein.Die Beharrlichen werden vernichtet. Unheil.
Am Anfang einer zerstörenden Bewegung untergraben Menschen, denen es nur um den eigenen Vorteil geht, heimlich von unten, und wer treu bleibt, wird durch Verleumdung und Machenschaften zu Fall gebracht. Das geht schlecht aus. Es bleibt nichts zu tun als zu warten; fang jetzt keinen offenen Kampf an.
Die Gemeinen kommen heran und fangen heimlich von unten an mit ihrer zerstörenden Wühlarbeit, um auf diese Weise den Platz, auf dem der Edle ruht, zu untergraben. Die Anhänger des Herrschers, die ihm treu bleiben, werden durch Verleumdung und alle möglichen Machenschaften vernichtet. Die Lage ist unheilvoll. Doch läßt sich nichts tun als warten.
Das Bett wird zersplittert am Rand.Die Beharrlichen werden vernichtet. Unheil.
Hier rückt die Gefahr näher, es gibt deutliche Anzeichen, und man steht ohne Hilfe da, weder von oben noch von unten. In dieser Lage ist äußerste Vorsicht nötig. Richte Dich nach der Zeit und weich rechtzeitig aus; wer starr und unbeugsam auf seinem Standpunkt beharrt, für den geht es schlecht aus.
Die Macht der Gemeinen wächst. Schon naht sich die Gefahr der eigenen Person. Es kommen schon deutliche Anzeichen. Die Ruhe wird gestört. Während man sich in dieser gefährlichen Lage befindet, ist man zudem noch ohne Hilfe und Entgegenkommen von oben und unten. In dieser Isolierung ist äußerste Vorsicht nötig. Man muß sich nach der Zeit richten und rechtzeitig ausweichen. Wollte man unbeugsam und beharrlich seinen Standpunkt weiter vertreten, so würde das zum Untergang führen.
Er zersplittert sich mit ihnen. Kein Makel.
Man steht mitten in einer schlechten Umgebung und hängt äußerlich mit ihr zusammen, innerlich aber mit einem besseren Menschen. Hält Dich eine solche innere Verbindung, kannst Du Dich vom Wesen Deiner Umgebung frei machen. Du gerätst dadurch in Gegensatz zu ihr, und das ist kein Fehler.
Man steht mitten drin in einer schlechten Umgebung, mit der man auch durch äußere Verbindungen zusammenhängt. Doch besteht eine innere Beziehung zu einem höheren Menschen. Dadurch gewinnt man den inneren Halt, daß man sich frei machen kann von dem Wesen der Menschen der Umgebung. Man kommt dadurch wohl in Gegensatz zu ihnen, aber das ist kein Fehler.
Das Bett wird zersplittert bis zur Haut. Unheil.
Das Unglück trifft hier nicht mehr nur den Ruheplatz, es reicht bis an die eigene Person. Das geht schlecht aus und lässt sich nicht abwenden. Gemeint ist der Lauf der Zeit, gegen den sich jetzt nichts ausrichten lässt, und kein Mensch, der Dir schadet; halte still, bis die Zeit sich wendet.
Das Unglück erreicht hier den eigenen Leib, nicht mehr nur den Ruheplatz. Eine Warnung oder sonstiger Zusatz ist nicht beigefügt. Das Unheil ist auf der Höhe: es läßt sich nicht mehr abwenden.
Ein Zug Fische. Durch die Palastdamen kommt Gunst.Alles ist förderlich.
Hier wandelt sich die Lage: Das Schwache arbeitet nicht mehr gegen das Starke, es stellt sich freiwillig unter seine Leitung und führt die anderen mit. So findet es sein Glück, und auch das Höhere kommt zu seinem Recht. Bist Du in der schwächeren Lage, gewinnst Du mehr, indem Du Dich einer guten Führung anschließt, als durch Widerstand.
Hier in unmittelbarer Nähe des oberen starken und lichten Prinzips wandelt sich die Natur des Dunklen. Es widerstrebt nicht mehr ränkevoll dem starken Prinzip, sondern unterwirft sich seiner Leitung. Ja als Haupt der übrigen Schwachen führt es diese alle dem Starken zu, gleichwie eine Fürstin ihre Dienerinnen ihrem Gatten wie einen Zug Fische zuführt und dadurch seine Gunst erlangt. Indem das Niedere sich so freiwillig dem Höheren unterstellt, findet es sein Glück, und auch das Höhere kommt zu seinem Recht. Darum geht alles gut.
Eine große Frucht ist noch ungegessen da.Der Edle erhält einen Wagen.Dem Gemeinen zersplittert sein Haus.
Am Ende der Zersplitterung ist noch eine große Frucht übrig, und aus ihrem Samen wächst das Gute neu. Wer das Rechte getan hat, kommt wieder zu Einfluss und wird von anderen getragen; wer niedrig gehandelt hat, dem zerfällt das eigene Haus. Halte durch: Das Schlechte zerstört sich am Ende selbst, und bessere Zeiten kommen.
Hier ist das Ende der Zersplitterung erreicht. Wenn sich das Unheil ausgetobt hat, kommen wieder bessere Zeiten. Der Same des Guten ist noch übrig. Gerade wenn die Frucht zur Erde fällt, wächst aus ihrem Samen aufs neue das Gute hervor. Der Edle kommt wieder zu Einfluß und Wirksamkeit. Er wird getragen von der öffentlichen Meinung wie auf einem Wagen. Am Gemeinen aber rächt sich seine Bosheit. Sein Haus zersplittert. Darin liegt ein Naturgesetz. Das Böse ist nicht nur dem Guten verderblich, sondern es vernichtet in seinen letzten Konsequenzen sich selbst; denn das Böse, das nur von der Verneinung lebt, kann aus sich selbst nicht bestehen. Auch der Gemeine fährt am besten, wenn er von einem Edlen in Zucht gehalten wird.
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Das I Ging befragenTexte von Richard Wilhelm: I Ging. Das Buch der Wandlungen (Erstausgabe Jena 1924), abgeschrieben aus der Ausgabe Diederichs, München 1996. Wilhelms Übersetzung ist gemeinfrei. Der Abschnitt „Was das Zeichen heute sagt“, die Frage an Dich und die kurzen Erklärungen unter den Linien sind unsere eigene Lesart. Das I Ging ersetzt keinen ärztlichen, rechtlichen oder psychologischen Rat.