oben Li, das Haftende, Feuer · unten Kun, das Empfangende, Erde
Es geht aufwärts, und andere sehen es. Daran ist nichts Verdächtiges: Die Sonne steigt über die Erde und strahlt umso reiner, je höher sie kommt. Nach ihm hängt der Fortschritt an zwei Menschen, an dem, der seinen wachsenden Einfluss nicht missbraucht, und an dem, der ihn ohne Eifersucht fördert. Setz das Gewonnene für die gemeinsame Sache ein, und wenn Du einen anderen aufsteigen siehst, unterstütze ihn großzügig. Deinen Einfluss nur für Dich zu nutzen, wäre der Fehler.
Wem könnte Dein Vorankommen nützen außer Dir selbst?
Das Zeichen stellt die Sonne dar, die über die Erde emporsteigt; es ist daher das Bild des raschen, leichten Fortschritts, der gleichzeitig immer weitere Ausdehnung und Klarheit bedeutet.
In Wilhelms Sprüchen kehren alte Wörter wieder:
Der Fortschritt:Der starke Fürst wird geehrt durch Pferde in großer Menge.An einem Tage wird er dreimal empfangen.
Als Beispiel wird eine Zeit geschildert, da ein starker Lehnsfürst die übrigen Fürsten um den Großkönig in Gehorsam und Frieden versammelt und vom Großkönig reich beschenkt und in nächste Nähe gezogen wird.
Es liegt darin ein doppelter Gedanke. Die eigentliche Wirkung des Fortschrittes geht von einem Mann in abhängiger Stellung aus, den die andern als ihresgleichen ansehen, weshalb sie ihm willig folgen. Dieser Führer besitzt innere Klarheit genug, um den großen Einfluß, den er hat, nicht zu mißbrauchen, sondern zugunsten des Herrn zu verwenden. Der Herr seinerseits ist frei von jeder Eifersucht, beschenkt den großen Mann reichlich und zieht ihn dauernd in seine Nähe. Ein erleuchteter Herr und ein gehorchender Diener, das sind die Bedingungen großen Fortschritts.
Die Sonne steigt über die Erde empor:das Bild des Fortschritts.So macht der Edle selbst seine klaren Anlagen hell.
Das Licht der Sonne, das über die Erde aufsteigt, ist von Natur klar, aber je höher die Sonne steigt, desto mehr kommt sie aus den trüben Dünsten heraus und strahlt in um so weiterem Umfang in ihrer ursprünglichen Reinheit. So ist auch das wahre Wesen des Menschen ursprünglich gut, aber es wird getrübt durch den Zusammenhang mit dem Irdischen und bedarf daher der Läuterung, damit es in seiner ihm ursprünglich zukommenden Klarheit leuchten kann.
Hier ist das Thema, das in der »Höheren Bildung« (Da Hüo) ausführlich behandelt wird.
Die Zeichen ○ und □ hinter einer Linie hat Wilhelm gesetzt (S. 334 f.). Sie markieren die Herren des Zeichens. □ steht beim konstituierenden Herrn. Das ist der Strich, der dem Zeichen seinen Sinn gibt, gleich wie hoch er steht und wie gut sein Charakter ist. ○ steht beim beherrschenden Herrn. Er ist immer von gutem Charakter und wird es durch den Sinn der Zeit und seine Stellung, meist auf dem fünften Platz. Ist ein Strich beides, steht ○.
Fortschreitend, aber zurückgewiesen.Beharrlichkeit bringt Heil.Wenn man kein Vertrauen findet, so bleibe man gelassen.Kein Fehler.
Wer vorankommen will, stößt hier auf Zurückweisung und findet kein Vertrauen. Mach einfach im Rechten weiter, dann geht es schließlich gut aus. Jag dem Vertrauen anderer nicht um jeden Preis hinterher, bleib gelassen und heiter und lass Dich nicht zum Zorn reizen; so bleibst Du ohne Fehler.
Zu einer Zeit, da alles nach Fortschritt drängt, befindet man sich noch in Ungewißheit darüber, ob man nicht beim Fortschritt auf Zurückweisung stoßen könnte. Da gilt es, einfach im Rechten fortzumachen: das bringt schließlich Heil. Es kann sein, daß einem kein Vertrauen entgegengebracht wird. In diesem Fall erstrebe man nicht Vertrauen unter allen Umständen; man muß gelassen und heiter bleiben und sich nicht zum Zorn reizen lassen. So bleibt man ohne Fehler.
Fortschreitend, aber in Trauer.Beharrlichkeit bringt Heil.Man bekommt dann großes Glück von seiner Ahnfrau.
Der Fortschritt stockt, und die Verbindung zu einem Menschen in leitender Stellung, zu dem man eine Beziehung hat, kommt nicht zustande; das macht traurig. Bleib dennoch beständig, dann geht es gut aus. Dann erfährst Du von dieser Person große, mütterlich milde Güte, und sie ist verdient, weil die Zuneigung auf festen Grundsätzen ruht und auf keinem Eigennutz.
Der Fortschritt wird aufgehalten, man sieht sich gehindert, mit dem Menschen an leitender Stelle, zu dem man in Beziehung steht, in Verbindung zu kommen. Das bringt Trauer. Aber in solchem Fall gilt es, beharrlich zu bleiben, dann wird man von jener Persönlichkeit in mütterlicher Milde großes Glück erfahren. Dieses Glück kommt und ist wohlverdient, weil die gegenseitige Zuneigung nicht auf egoistisch-parteiischen Motiven beruht, sondern auf festen und korrekten Grundsätzen.
Alle sind einverstanden. Die Reue schwindet.
Das Vorankommen geschieht hier gemeinsam mit anderen, deren Einverständnis einen trägt und hebt. Dass Du es nicht aus eigener Kraft gegen jedes Geschick schaffst, musst Du nicht bedauern: Was Du bereust, vergeht. Geh mit den anderen voran und nimm ihre Zustimmung an; Du musst das nicht allein schaffen.
Man strebt voran, und zwar in Gemeinschaft mit andern, durch deren Einverständnis man gehoben wird. Dadurch verschwindet der Anlaß zum Bedauern, der darin zu finden wäre, daß man nicht die Selbständigkeit besitzt, sich gegen jedes feindliche Geschick allein durchzusetzen.
Fortschritt wie ein Hamster.Beharrlichkeit bringt Gefahr.
In Zeiten des Aufschwungs fällt es starken Menschen an falscher Stelle leicht, vieles zusammenzuscharren wie ein Hamster. Solches Tun scheut das Licht, und gerade jetzt kommt alles Lichtscheue an den Tag. Gib solches Sammeln auf, bevor es auffliegt; wer dabei bleibt, gerät in Gefahr.
In Zeiten des Fortschritts ist es für starke Menschen leicht, wenn sie an unrichtiger Stelle sind, sich vieles zusammenzuscharren. Aber ein solches Gebaren ist lichtscheu. Und da Fortschrittszeiten immer auch Zeiten sind, da die Sonne alles lichtscheue Treiben an den Tag bringt, so bringt ein Beharren in solchem Tun notwendig Gefahr mit sich.
Die Reue schwindet.Gewinn und Verlust nimm nicht zu Herzen.Unternehmungen bringen Heil.Alles ist fördernd.
Gezeichnet ist jemand in maßgebender Stellung, der in guter Zeit mild und zurückhaltend bleibt und sich nicht jeden Vorteil holt. Der Vorwurf, die Gunst der Zeit nicht genug genutzt zu haben, verfliegt; was Du bereust, vergeht. Nimm Gewinn und Verlust nicht zu Herzen; wichtiger ist, dass so die Möglichkeit zu segensreichem Wirken gesichert bleibt, und was Du unternimmst, geht gut aus.
Es ist hier eine Lage gezeichnet, da man in Fortschrittszeiten sich an maßgebender Stelle befindet und milde und zurückhaltend ist. Man könnte sich darüber Vorwürfe machen, daß man nicht energisch genug die Gunst der Zeit benutzt und alle möglichen Vorteile sich verschafft hat. Allein diese Reue schwindet. Man darf sich Verlust und Gewinn nicht zu Herzen nehmen. Das sind untergeordnete Dinge. Wichtiger ist, daß man Möglichkeiten zu erfolg- und segensreichem Wirken sich auf diese Weise gesichert hat.
Fortschreiten mit den Hörnern darf man nur,um sein eignes Gebiet zu strafen.Bewußtsein der Gefahr bringt Heil.Kein Makel.Beharrlichkeit bringt Beschämung.
Scharf und angriffslustig vorzugehen ist hier nur gegen die Fehler der eigenen Leute erlaubt, und auch dann im Bewusstsein, dass es gefährlich ist. So geht es gut aus. Führ diese Schärfe aber nicht fort, schon gar nicht gegenüber Fernerstehenden; sonst endet sie in Beschämung.
Fortschreiten mit den Hörnern, d. h. angriffsweise vorgehen, soll man in solchen Zeiten, um die es sich hier handelt, nur den Fehlern der eigenen Leute gegenüber. Dabei muß man sich bewußt bleiben, daß solch angriffsweises Vorgehen immer mit Gefahr verbunden ist. Dadurch vermeidet man die Fehler, die sonst drohen, und was man beabsichtigt hat, gelingt. Dagegen wird eine beharrliche Fortsetzung dieser allzu energischen Haltung, namentlich Fernerstehenden gegenüber, Beschämung bringen.
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Das I Ging befragenTexte von Richard Wilhelm: I Ging. Das Buch der Wandlungen (Erstausgabe Jena 1924), abgeschrieben aus der Ausgabe Diederichs, München 1996. Wilhelms Übersetzung ist gemeinfrei. Der Abschnitt „Was das Zeichen heute sagt“, die Frage an Dich und die kurzen Erklärungen unter den Linien sind unsere eigene Lesart. Das I Ging ersetzt keinen ärztlichen, rechtlichen oder psychologischen Rat.